Friedrich Nietzsche - Spuren - Personenliste


Personen um Nietzsche

Familie

Bernhard Förster

Elisabeth Alexandra Förster Nietzsche

Johanna Elisab. Wilhelmine Hahn

Erdmuthe Dorothea Krause

Carl Ludwig Nietzsche

Friedrich August Ludwig Nietzsche

David Ernst Oehler

Franziska Ernestine Rosaura Oehler

Freunde

Paul Deussen

Gustav Krug

Heinrich Köselitz gen. Peter Gast

Hermann Mushacke

Franz Overbeck

Wilhelm Pinder

Paul Rée

Erwin Rohde

Heinrich Romundt

Carl von Gersdorff

Lehrer

Jacob Burckhardt

Ernst  Ortlepp

Friedrich Ritschl

Arthur Schopenhauer

Richard Wagner

Frauen

Marie Baumgartner geb. Köchlin

Ida Overbeck (geb. Rothpletz)

Lou Salomé

Mathilde Trampedach

Malwida von Meysenbug

Meta von Salis-Marchlins

Resa von Schirnhofer

Cosima Wagner

Bekannte

Johann Jakob Bachofen

Georg Brandes - eigentlich Morris Cohen

Gottfried Keller

August von Miaskowski

August Strindberg

Hippolyte Taine


Carl Ludwig Nietzsche
(Friedrich Nietzsches Vater)   Vater   Mutter

geb. 10.10.1813 Eilenburg
gest.. 30.7.1849 Röcken

verheiratet mit Franziska Ernestine Rosaura Oehler


Am 10. Oktober 1813, im Geburtsjahr Richard Wagners und drei Tage vor der Völkerschlacht zu Leipzig, kommt Friedrich Nietzsches Vater zur Welt. Carl Ludwig Nietzsche ist das jüngste Kind des Eilenburger Superintendenten Friedrich August Ludwig Nietzsche und seiner zweiten Frau Erdmuthe, geborene Krause. Seine Großmutter wird Friedrich Nietzsche noch kennenlernen, nicht jedoch seinen Großvater. Der Großvater, der bereits 57 Jahre bei der Geburt seines Sohnes war, stirbt siebzigjährig 1826.

Friedrich Nietzsches Vater studierte in Halle an der Saale Theologie und fiel sowohl durch 'vorzügliche Leistungen' wie durch 'seinen frommen, ernsten, bescheidenen Sinn' auf und machte in der üblichen Zeit seinen Universitätsabschluß. Er arbeitete danach als Hauslehrer am herzoglichen Hof in Altenburg. Die drei Prinzessinnen Therese, Elisabeth und Alexandra waren seine Schülerinnen. Curt Paul Janz schreibt über diese Jahre: "Von seinem Hofdienst behielt er eine Vorliebe für gewählte Kleidung und höfische Manieren, die sich auf seinen Sohn Friedrich übertrug."

1842 erhält er 'auf allerhöchsten Befehl' vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. die Pfarrstelle in Röcken bei Lützen. Keine zehn Kilometer entfernt stand David Ernst Oehler der Gemeinde von Pobles vor. Dieser hatte neun Kinder, die siebzehnjährige Franziska (geb 1626) war sein sechstes Kind. Nietzsches Vater lernte seine Frau anläßlich eines Antrittsbesuches kennen. Als alte Frau schrieb diese rückblickend: "Bei fröhlichem Geplauder wurde Kaffee getrunken, sodann der Herr Pastor, uns als Klavierspieler schon bekannt, zu phantasieren animiert, was er an diesem Tage mit besonderer Meisterschaft ausgeführt." Auch sein Sohn Friedrich Nietzsche wird später mit seinem Phantasieren am Klavier seine Zuhörer beeindrucken. Bereits 1843, an seinem dreißigsten Geburtstag, heiratet Nietzsches Vater Franziska Oehler, die in das Pfarrhaus nach Röcken übersiedelt.

Ein Jahr später, am 15. Oktober 1844 wird Friedrich Wilhelm (aus Dankbarkeit für die erhaltene Pfarrei durch den König) Nietzsche in Röcken geboren. Elisabeth, die später so verhängnisvoll wirkende Schwester, wird 1846 geboren. 1848 bekommt Friedrich noch ein Brüderchen mit Namen Joseph.

Nietzsches Vater erkrankt im Spätsommer 1848 unheilbar an einer Krankheit, über deren Herkunft und Diagnose widersprüchliche Aussagen vorliegen. Im Kirchenbuch wird 'Hirnerweichung' als Todesgrund angegeben, spekuliert wird sowohl über einen syphilitischen Hintergrund (verbunden mit einer möglichen Ansteckung des Sohnes)als auch über eine eventuelle Erbkrankheit. Eine andere Hypothese geht von einem Tumor im Hirn oder von Gehirntuberkulose aus. Die Familienüberlieferung macht einen Sturz von einer Treppe als Auslöser der Erkrankung aus. Besonders die Schwester Elisabeth wird diese Version als einzige Ursache tradieren. Nietzsches Vater war jedoch schon vor der tödlichen Erkrankung, so wird berichtet, von schwächlicher körperlicher Konstitution und auch sein allgemeines Verhalten wird mitunter als trübsinnig und grillenhaft beschrieben. Dieses Thema wird hier nur deshalb angesprochen, weil es zu Vermutungen über Friedrich Nietzsches spätere Krankheit Anlass gibt. Geklärt ist jedoch zuletzt nichts, außer, daß Nietzsche zeitlebens Angst hatte, wie sein Vater zu enden.

Insgesamt währt das Siechtum fast ein Jahr. Am 30. Juli 1849, Friedrich Nietzsche ist noch nicht fünf Jahre alt, stirbt sein fünfunddreißig Jahre junger Vater. Kurze Zeit später stirbt auch noch das Brüderchen Joseph.

Welche Folgen hat dieses Erlebnis auf Friedrich? Spekulativ bleibt, daß hier der tief verwurzelte Hass auf den christlichen Gott seinen Anfang nimmt. Dieser christliche Gott hatte es zugelassen, daß sein geliebter Vater und auch sein unschuldiger Bruder gestorben war - Gott war demzufolge nicht allmächtig, sondern nur ohnmächtig, war nicht gütig, sondern ungerecht.

Nietzsches Suche nach dem abwesenden Vater, der Orientierung geben könnte, ob im Philosophen Schopenhauer, im Lehrer Ritschl, im bewunderten Meister Wagner oder im geschätzten Baseler Kollegen Jacob Burckhardt kann auch nur vermutet werden. In 'Menschliches - Allzumenschliches' schreibt Nietzsche: "Wenn man keinen guten Vater hat, so soll man sich einen anschaffen." Hier muß man nur das Wörtchen 'gut' weglassen und Nietzsches Verhalten wird verständlicher, nicht verständlich. Psychologisch ist der frühe Tod des Vaters natürlich von den klügelnden Herren Psychologen weidlich ausgeschlachtet worden.

Nietzsche wird zeitlebens eine gute Erinnerung an seinen Vater pflegen, noch in 'Ecce Homo' wird er in ein positives Licht setzen.

Schon früh versucht sich Nietzsche über seinen Vater geistig klar zu werden; in seinen frühreifen autobiographischen Versuchen erschafft sich Nietzsche mit künstlerischen Mitteln ein Bild des Vaters, das unverlierbar bleibt. Natürlich idealisiert er, aber genau in dieser Idealisierung bleibt der Vater wirkungsmächtig: "Mit Geist und Gemüth begabt, mit allen Tugenden eines Christen geschmückt, lebte er ein stilles, einfaches, aber glückliches Leben und wurde von allen, die ihn kannten, geachtet und geliebt."

Wie wirkungsmächtig dieses Ideal war, zeigt sich exemplarisch, als Nietzsche nach dem Lou-Erlebnis von Tautenburg nach Naumburg kommt. Die Mutter, aufgestachelt von der Schwester Elisabeth, beschuldigt den Sohn Friedrich, durch seine Beziehung zur als lasterhaft verleumdeten Lou eine "Schande für das Grab seines Vaters" zu sein. Nietzsche reist zutiefst gekränkt sofort aus Naumburg ab, einmal mehr überzeugt, daß Mutter und Schwester ein Verhängnis für ihn sind.