Personen um Nietzsche

Familie

Bernhard Förster

Elisabeth Alexandra Förster Nietzsche

Johanna Elisab. Wilhelmine Hahn

Erdmuthe Dorothea Krause

Carl Ludwig Nietzsche

Friedrich August Ludwig Nietzsche

David Ernst Oehler

Franziska Ernestine Rosaura Oehler

Freunde

Paul Deussen

Gustav Krug

Heinrich Köselitz gen. Peter Gast

Hermann Mushacke

Franz Overbeck

Wilhelm Pinder

Paul Rée

Erwin Rohde

Heinrich Romundt

Carl von Gersdorff

Lehrer

Jacob Burckhardt

Ernst  Ortlepp

Friedrich Ritschl

Arthur Schopenhauer

Richard Wagner

Frauen

Marie Baumgartner geb. Köchlin

Ida Overbeck (geb. Rothpletz)

Lou Salomé

Mathilde Trampedach

Malwida von Meysenbug

Meta von Salis-Marchlins

Resa von Schirnhofer

Cosima Wagner

Bekannte

Johann Jakob Bachofen

Georg Brandes - eigentlich Morris Cohen

Gottfried Keller

August von Miaskowski

August Strindberg

Hippolyte Taine


Franz Overbeck

geb. 1837 Petersburg
gest.. 1905 Basel

Der wichtigste Freund Nietzsches.


Friedrich Nietzsche macht 1870 in Basel die Bekanntschaft mit dem knapp sieben Jahre älteren Kollegen Professor Franz Overbeck, der an der theologischen Fakultät lehrt. Als sie kurze Zeit später ihr Quartier in einem Haus Tür an Tür finden, beginnt eine lebenslange Freundschaft. Erstes Zeugnis des intensiven nun folgenden gedanklichen Austauschs sind die zwei `Erstlinge´ der Freunde. Friedrich Nietzsche schreibt `Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik´, Overbeck verfaßt, inspiriert von den Gesprächen und Diskussionen mit Nietzsche, wie er später bekennt, `Über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie - Streit- und Friedensschrift´. Diese Schrift erscheint auf Vermittlung Friedrich Nietzsches im Verlag E.W. Fritzsch in Leipzig, in dem auch Friedrich Nietzsches erstes größeres Werk veröffentlicht worden war. Beide lassen sich symbolisch ihre beiden Werke in einem Band zusammenbinden. In dem Widmungsexemplar der ersten `Unzeitgemäßen Betrachtung´ über David Strauß schreibt Friedrich Nietzsche 1873 anspielungsreich über die `Erstlinge´:"Ein Zwillingspaar aus Einem Haus / ging mutig in die Welt hinaus, / Welt-Drachen zu zerreissen / Zwei-Väterwerk!Ein Wunder war´s! / Die Mutter doch des Zwillingspaars / Freundschaft ist sie geheissen! / Der eine Vater dem andern!"

Nietzsche findet in Franz Overbeck den seltenen Fall eines Freundes, der ihm geistig gewachsen ist. Franz Overbeck fällt es zudem nicht schwer, die Genialität des Freundes anzuerkennen, ohne in Bewunderung oder in Konkurrenzverhalten sich selbst zu verlieren. Franz Overbeck ist im wahrsten Sinne das Beispiel eines souveränen Geistes. Das beweist neben seiner tiefempfundenen Freundschaft zu Nietzsche auch sein wissenschaftliches Werk, das es noch zu entdecken gilt. Karl Löwith würdigt in einer der besten Studien über Friedrich Nietzsche mit dem Titel `Von Hegel zu Nietzsche´ den selbstständigen Denker Franz Overbeck. Wie sehr Nietzsche diese Freundschaft schätzte, die Nietzsches Biograph Curt Paul Janz den `Glücksfall seines Lebens´ nennt, zeigt auch, daß Nietzsche 1875 seine letzte musikalische Komposition `Hymnus auf die Freundschaft´ dem Freund Franz Overbeck widmet.

Friedrich Nietzsche und Franz Overbeck verlieren auch nicht den Kontakt, nachdem Franz Overbeck heiratet und Nietzsche schließlich Basel verläßt und zum unsteten Wanderer wird. Ein umfangreicher Briefwechsel zwischen den Freunden dokumentiert dieses enge Verhältnis. Nietzsche wird oft gleichsam einen Hafen anlaufen, wenn er Franz Overbeck und seine Frau besucht.Overbeck charakterisiert in seinen Notizen das Verhältnis:"Wir sind zwei Gelehrtennaturen, die über sich hinaus wollen, nur so vermag ich mir unsere innige Freundschaft zu erklären bei so enormer Ungleichmäßigkeit unserer Begabung - wobei ich mir über mein Zurückstehen gar keine Illusionen mache - und ebenso großem Unterschiede unseres Temperamnets."

Franz und Ida Overbeck

Franz Overbeck nimmt eine zentrale Rolle in den tragischen Tagen der Umnachtung in Turin ein. Geistesgegenwärtig reagiert Franz Overbeck, als er von Jakob Burckhardt über die Wahnsinnszetteln informiert, im Januar 1889 umgehend nach Turin aufbricht, um des Freundes Situation zu erfahren. Overbeck vermag seinen Freund in einer beherzten Aktion von Turin nach Basel zu bringen, im Glauben, daß unter der Obhut von kundigen Ärzten und in der Nähe von Bekannten und Verwandten wieder Genesung erreicht werden kann. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand die traurige Endgültigkeit des Zustandes Nietzsches. Für Overbeck als Freund gestaltet sich das Ende jedoch doppelt traurig, gerät er doch bald ins Zentrum der Angriffe der Schwester Nietzsches, die mit dem Nietzsche-Archiv den Alleinanspruch auf das Werk erhebt. Overbeck ist einer der Wenigen, der das intrigante und überaus zwielichtige Verhalten der Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche bald durchschaut. Das respektlose Umgehen der Schwester mit den Schriften Nietzsches führt schließlich zum Bruch mit Naumburg. Overbeck wird nicht zur Beerdigung seines Freundes in Röcken eingeladen.
Literatur von & zu Overbeck

  • das Gesamtwerk von Franz Overbeck ist bei Metzler in 9 Bänden erschienen
  • Franz Overbeck: Selbstbekenntnisse; Mit einem Vorwort von Jakob Taubes. Ffm. 1966.
  • Franz Overbeck: Über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie; Streit- und Friedensschrift. 2. Auflage Leipzig 1903.
  • Friedrich Nietzsches Briefwechsel mit Franz Overbeck. Hg. Von Richard Oehler und Carl Albrecht Bernoulli. Erschienen. Leipzig 1916
  • Carl Albrecht Bernoulli: Franz Overbeck und Nietzsche. 2 Bd., Jena 1908.
  • Karl Löwith: Von Hegel zu Nietzsche; II. Teil, Abschnitt V, Kapitel 11 `Overbecks historische Analyse des ursprünglichen und vergehenden Christentums´. Hamburg 1995


weitere Informationen zu Franz Overbeck bei der Nietzsche-Seite von Helmut Walther